18. April 1487

Der erste deutsche Dichterkönig. Am 18. April 1487 wird der Erzhumanist Konrad Celtes, dessen Mission er selbst als "Deutschland der Barbarei zu entreißen" formulierte, von Kaiser Friedrich III. als erster Deutscher nach antiker Sitte mit dem Lorbeer zum "poeta laureatus", zum Dichterkönig gekrönt. In Großbritannien gibt es noch heute das Amt des "Poet Laureate".

Dichterkrönung - Poeta Laureatus. Einen Dichter mit dem Lorbeerkranz zu krönen war antike Sitte und geht auf den antiken Brauch der Dichterkrönung durch feierliche Bekränzung mit Lorbeer zurück. Im Mittelalter wurde dieser Brauch von den Herrschern wieder aufgenommen. So wurde Petrarca 1341 in Rom auf dem Kapitol zum Dichter gekrönt.

Traditionen. King James I von England gewährte Ben Johnson 1616 eine Dichterpension, die nach seinem Tod auf William Davenant überging. 1668 wurde der Poet Laureate offiziell institutionalisiert. 1937 wurde eine "Dichterkrönung" sogar in den republikanischen USA begonnen: der Poet Laureate Consultant. 1985 beauftragte der US-Kongress die Library of Congress offiziell mit der Vergabe des Poet Laureate Consultant. In Großbritannien gibt es noch heute das Amt des "Poet Laureate", dessen Aufgabe es allerdings ist, Gedichte für nationale Ereignisse zu verfassen, also so eine Art Hofdichter zu sein. So hatte der gerade amtierende Hofdichter Andrew Morton auch die Aufgabe, für die Hochzeit von Prinz Charles mit Camilla zu reimen:

Spring Wedding (Frühlingshochzeit)

I took your news outdoors, and strolled a while
In silence on my square of garden-ground
Where I could dim the roar of arguments,
Ignore the scandal-flywheel whirring round,
And hear instead the green fuse in the flower
Ignite, the breeze stretch out a shadow-hand
To ruffle blossom on its sticking points,
The blackbirds sing, and singing take their stand.

I took your news outdoors, and found the Spring
Had honored all its promises to start
Disclosing how the principles of earth
Can make a common purpose with the heart.
The heart which slips and sidles like a stream
Weighed down by winter-wreckage near its source –
But given time, and come the clearing rain,
Breaks loose to revel in its proper course.


Die Amores des Conrad Celtis. Conrad Celtis widmet die in vier Teilen publizierte Lyriksammlung Kaiser Maximilian I. Obwohl Celtis mit seiner Sammlung die antiken Meister der römischen Liebeselegie wie Ovid nachahmt, schöpft er doch größtenteils aus dem Erfahrungsschatz seiner zehnjährigen Wanderschaft (1487-1497). Die vier Bücher enthalten jeweils einen in sich abgeschlossenen Liebesroman, dessen Handlungsstränge in vier verschiedenen Teilen des Reichs angesiedelt werden. Die Namen der Geliebten, mit denen die Romane überschrieben sind, verbinden sich mit den Städten, in denen der Autor den Frauen begegnete: der schönen Hasilina in Krakau, der lebenslustigen Elsula in Regensburg, der innigen Ursula in Mainz und der sanftmütigen Barbara in Lübeck. Die Verschiedenheit der einzelnen Charaktere ist dabei bewusst gewählt, denn sie stehen im Einklang mit der Stimmung der einzelnen Bücher. So weicht feurige Leidenschaft einer sinnbetörenden Hingabe und romantische Liebe einem von Alter und Trauer überkommenen Lebensgefühl. Unübersehbar verbindet sich diese Liebeslyrik fortwährend mit einer Landschaftsdarstellung, die nicht frei von vaterländischem Pathos ist. Der Umfang und die Intensität der von Celtis vermittelten Gefühle und die formale Perfektion des Werks verleihen der Sammlung einen Stellenwert, die im 16. Jahrhunderts nicht wieder erreicht wurde.

Humanismus. Zur Zeit Maximilians I. fand der Humanismus, die Abwendung vom geistigen Klima des Mittelalters, durch die Berufung von Konrad Celtis 1497 eine besondere Stellung. In der "Sodalitas litteraria Danubiana" vereinigte Celtis Freunde und Schüler. 1501 stiftete Maximilian das Collegium poetarum et mathematicorum zur Pflege dieser Richtungen des Humanismus, ausgestattet mit dem Recht, den Dichterlorbeer zu verleihen. Zu dieser Zeit wirkten K. Peutinger (Peutingersche Tafel), L. Sunthaym und J. Stabius unter anderem in Österreich. Zum ersten Direktor des Poetenkollegs wurde der "Erzpoet" Konrad Celtis ernannt. Ihm wurde vom König zugleich das Recht der Dichterkrönung verliehen, das nach seinem Tode an die Universität überging. Der Vorstand des Kollegs konnte daher die Absolventen zu "poetae laureati", mit dem Lorbeer gekrönten Dichtern, promovieren. Celtis war zwar ein mathematisierender Poet, der durch seinen persönlichen Einsatz einen internationalen Kreis von humanistisch gesinnten Gelehrten bildete, die sich auch in der von ihm begründeten "Sodalitas litteraria Danubiana" zusammenfanden. Der Wiener Humanistenzirkel – zu dem unter anderem die Gelehrten Georg Tannstetter-Collimitius, Johannes Stabius, Thomas Resch, Andreas Stiborius, Stefan Rosinus, Johannes Cuspinianus sowie der Reformator Joachim Vadianus gehörten – stand in enger Beziehung zum Hof Maximilians I.

Der frühe Tod von Celtis verhinderte allerdings die weitere Vertiefung. Der Humanismus siegte als Bildungsbewegung, fand Eingang in die Universität, das höhere Schulwesen und den Interessenbereich des Adels, regte Dichtungen, die Herausgabe von Werken der Antike und des Hochmittelalters an, führte zur Rezeption des römischen Rechts und trug wesentlich zur Wiederbelebung des humanistischen Wissens bei.

Von großer Breitenwirkung waren die von Celtis gegründeten wissenschaftlichen Gesellschaften, so in Heidelberg die "Sodalitas litteraria Rhenana", in Krakau die "Sodalitas Vistulana", in Pressburg die "Sodalitas litteraria Hungarorum", in Wien die bereits erwähnte "Sodalitas litteraria Danubiana" (1497). Die von Celtis veranlasste Errichtung des Collegium poetarum et mathematicorum (1501) durch Maximilian I. sicherte ihm weiteren Einfluss. Auch bereicherte er durch Aufführungen lateinischer Dramen und eigener Stücke (zum Beispiel "Ludus Dianae", 1501) das Theater in Österreich und zeigte in seinen Dichtungen (unter anderem "Quatuor libri amorum", 1502; Oden, 1513) trotz lateinischer Sprache und Anlehnung an Horaz und Vergil unmittelbares Erleben und weltanschauliche Weite. Seine editorische Tätigkeit galt antiken wie mittelalterlichen Autoren (unter anderem Apuleius, Tacitus, Hrotsvith von Gandersheim).

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